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In der WELT erschien am 14. April 2016 ein sehr lesenswerter Artikel von Tobias Kaiser über die aktuelle Situation in Nepal – ein Jahr nach dem großen Beben. 

Frisch gebloggt: Meine sechs Wochen bei Shanti

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”
(Albert Schweitzer)

Berichte, Interviews, Nachrichten aus der
Shanti Leprahilfe

Die Shanti Leprahilfe bietet Menschen in Nepal eine Zuflucht, um die sich dort niemand kümmert: Obdachlosen, Versehrten, Waisen, verstoßenen Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderung. Bei Shanti finden sie ein Dach über dem Kopf, Arbeit, Essen, Schule, medizinische Versorgung. Shanti gibt den Menschen ihre Würde zurück und einen Platz in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.shanti-leprahilfe.de

Dezember 2015

Nepal

Es weihnachtet - auch in Nepal!

Es weihnachtet! Die Menschen sehen trotz Stress erwartungsvoll aus – es liegt wohl  die Sehnsucht nach Freude in der Luft. Freude wird in mir durch dieses Photo geweckt:

Es ist das Bild einer jungen Mutter aus dem nepalesischen Dorf Sindhupalchowk, das durch das große Beben im April diesen Jahres vollständig zerstört wurde. Die Überlebenden haben im "Camp of Hope" unserer Freundin Sangita Shresta Einhaus, der Besitzerin und Chefin des berühmten Dwarikas Hotel in Kathmandu, eine Bleibe gefunden. Zurzeit wird daran gearbeitet, ob es möglich ist, das Dorf am gleichen Ort wieder neu aufzubauen – denn natürlich wollen die Bewohner ihre Heimat nicht aufgeben. 

Möge dieses Bild auch bei anderen ein ähnliches Lächeln hervorlocken wie bei mir: Das winzige Kind, eingemuckelt in warme, gespendete Kleidung. Die fürsorgliche Solidarität von Nepalreisenden, die in ihren Koffern Kinderkleidung mitnahmen, wird  in  diesem Bild so herzerwärmend deutlich – diese Freude möchte ich gerade an Weihnachten teilen.

Genauso solidarisch standen so viele Menschen die Shanti Leprahilfe das ganze Jahr über mit ihrer Hilfe zur Seite. Sie haben es uns ermöglicht, Menschen zu ernähren, zu kleiden, medizinisch zu versorgen, ihnen eine Dach über dem Kopf zu geben. Wir konnten sie damit in Fürsorge einhüllen und werden das dank Ihrer Spenden auch weiterhin können. Bitte lesen Sie dazu auch unseren Weihnachts-Rundbrief, den wir auf unserer Shanti-Homepage eingestellt haben. 

Mich bewegt in diesem Jahr sehr, dass ich die Erdbeben unbeschadet überlebt habe und im Sommer nach Deutschland zurückkehren konnte. Es ist seit vielen Jahren das erste Mal, dass ich für eine so lange Zeit hier bin. Es ist für uns alle jedoch eine große Beruhigung, meinen Sohn Heiko immer wieder vor Ort zu wissen.

Seit dem großen Erdbeben habe ich viel Zuspruch und Ermutigung erfahren. Das hat mich wohl davor bewahrt, psychisch in ein Loch zu fallen. Aber immer noch zucke ich zusammen, wenn z.B. jemand an den Tisch stößt und dieser wackelt – das löst jedes Mal Fluchtreflexe in mir aus. Aber damit lerne ich umzugehen.

Ich merke auch zunehmend, wie mich die Erfahrung des politischen und gesellschaftlichen Elends in Nepal sensibilisiert für all das Gute, das wir hier in Deutschland oft als selbstverständlich ansehen. Ich denke da an unsere  relative Rechtssicherheit, die auch Korruption ahndet, wenn sie entdeckt wird, oder die Gutwilligkeit und Kompetenz so vieler PolitikerInnen, oder unsere Krankenversicherung; an das warme Duschwasser am Morgen, überhaupt: Trinkwasser überall, Elektrizität zu jeder Zeit.

Manchmal staune ich darüber wie ein Kind, vor allem wenn ich die täglichen Nachrichten aus Nepal lese. Unsere Ärztin rief  gestern an, sie hatte in ihrem Wohnviertel in Kathmandu 32 Stunden lang keinen Strom.

Ich genieße es auch, so viel Kultur zur Auswahl zu haben: Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Theater, unser bereicherndes Radioprogramm... All das schenkt mir ganz viel Kraft. Und mit dieser Kraft und zugleich aus großer Dankbarkeit heraus, konzentriere ich mich hier in Deutschland darauf, Wege zu finden, wie wir dem mit jedem Tag wachsenden Elend in Nepal begegnen können.

Ich reise dafür z. B. nach Hamburg, Berlin, Augsburg und an viele weitere Orte im ganzen Land, um Menschen um Hilfe für unsere Schutzbefohlenen zu bitten. Die große Solidarität, die uns in den Wochen nach dem Erdbeben getragen hat, spüre ich auch bei den Vorträgen und Gesprächen, das macht mich dankbar und gibt mir immer wieder neuen Mut.Gerne komme ich auch in andere Städte oder Schulen, um über unsere Arbeit zu berichten und Fragen zu Nepal zu beantworten. 

Außerdem veranlasse ich in fast täglichem Kontakt mit unseren Mitarbeitenden bei Shanti zusätzliche Hilfsprogramme, wie z.B. die Versorgung der Bettler am Pashupat Tempel mit warmem Mahlzeiten. Die Touristen bleiben aus, da dürfen wir die Armen nicht hungern lassen.

Frieden – danach haben alle Menschen weltweit die größte Sehnsucht. Ich wünsche Ihnen allen diesen Frieden – an Weinachten und im ganzen vor uns liegenden neuen Jahr! Und ich danke Ihnen allen für Ihr Wohlwollen, Ihre Spenden und Ihre Treue! 

Bleiben Sie alle gut behütet – 

Ihre Marianne Großpietsch 

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