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Breaking NEWS:

In der WELT erschien am 14. April 2016 ein sehr lesenswerter Artikel von Tobias Kaiser über die aktuelle Situation in Nepal – ein Jahr nach dem großen Beben. 

Frisch gebloggt: Meine sechs Wochen bei Shanti

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”
(Albert Schweitzer)

Berichte, Interviews, Nachrichten aus der
Shanti Leprahilfe

Die Shanti Leprahilfe bietet Menschen in Nepal eine Zuflucht, um die sich dort niemand kümmert: Obdachlosen, Versehrten, Waisen, verstoßenen Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderung. Bei Shanti finden sie ein Dach über dem Kopf, Arbeit, Essen, Schule, medizinische Versorgung. Shanti gibt den Menschen ihre Würde zurück und einen Platz in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.shanti-leprahilfe.de

Bauingenieurswesen

Nepal

Endlich Nachschub an Medikamenten! Sauberes Trinkwasser dank PAUL!

Marianne Grosspietschs tägliche Morgenbotschaft, dieses Mal mit guten Neuigkeiten. Zuvor aber der Link zu einem Interview, das Heiko Grosspietsch der Deutschen Welle auf Englisch gegeben hat.

Heute konnten wir endlich den Nachschub an Medikamenten und vor allem die 13 PAULs (Portable Aqua Unit for Lifesaving) zur Wasseraufbereitung am Flughafen abholen.

Der PAUL ist eine geniale Erfindung: Er enthält einen Membranfilter, der nicht nur Schmutz, sondern auch Bakterien mit einem Wirkungsgrad von über 99,999% (Messung Institut Fresenius) und Viren zu über 99,9% (Messung Universität Bonn) aus dem Wasser entfernt. Der Druck des eingefüllten Wassers presst das gelbgraugrüne Ekel-Schmutzwasser durch die Membran und filtert es dabei. Danach kann man das kristallklare, saubere Wasser sofort am Ablaufschlauch entnehmen. 

PAUL ist wie ein Rucksack tragbar und kommt vollständig ohne Energie und Chemikalien aus! Er filtert täglich bis zu 1.200 Liter Wasser und kann somit ca. 400 Menschen in Katastrophengebieten mit Trinkwasser versorgen. Das Gerät ist einfach und intuitiv zu bedienen und kann über die Piktogramme auch von Analphabeten verstanden werden.

Entwickelt wurde PAUL im Fachgebiet Siedlungs-Wasserwirtschaft im Fachbereich Bauingenieurswesen der Universität Kassel (Prof. Dr.-Ing. F.-B. Frechen). Nähere Informationen unter www.waterbackpack.org.

PAULs wurden schon bei vielen Naturkatastrophen in aller Welt erfolgreich eingesetzt. Unsere Kinder tunken mit Begeisterung Kekse und Kartoffeln in das klare Nass (Foto rechts), das sie jetzt unbedenklich trinken können (das Wasser ist klar, das Glas ist grün!). 

Wie durch ein Wunder bekamen Heiko und seine Helfer mit HIlfe des Chefs der Cargo Abteilung auf dem Flughafen Kathmandu Zugang zum Rollfeld, sodass wir alle Hilfsgüter direkt aus dem Flugzeug ausladen und den Isuzu damit beladen konnten. Das beschleunigt den Transport natürlich enorm.

Carlos und sein Team verstauen ihr Equipment, sie filmen u.a. für das mexikanische Fernsehen.  

Von unschätzbarem Wert ist immer wieder die Begleitung unserer Arbeiten durch das mexikanische Filmteam, das ursprünglich mit nach Nepal gekommen war, um die Lebensgeschichten von dreien unserer Patienten aufzuzeichnen. Ihr Equipment macht auf die Behörden-Mitarbeitern mächtig Eindruck, und natürlich will jeder im Ausland nur im besten Licht erscheinen... Das mexikanische Fernsehen zeigte u.a. seine Bilder und seinen Bericht.

Während ich noch vor dem Flughafen wartete, konnte ich die Malteser aus Duisburg über unseren Koch Bengali mit Essen versorgen. Sie haben dort einen Hilfestand mit deutscher Flagge vor der Abfertigungshalle aufgebaut.

Bengali wird heute noch eine große Fuhre "Samosas" (gefüllte indische Teigtaschen) machen, die leicht aus der Hand zu essen sind. Die Füllung besteht aus Gemüse, Gewürzen und Ei, die Taschen werden dann im schwimmenden Fett ausgebacken.

Die Erde schüttelt sich immer wieder, aber trotzdem konnte ich seit einer Woche erstmals wieder sechs Stunden am Stück schlafen – eine Wohltat! 

In unserer Station in Tilganga wird kräftig geräumt: Ein Teil der neuen Medikamente wandert direkt in die Apotheke, der Rest ins Vorratslager. Wir bereiten die Klinik vor, um weitere Verletzte aufnehmen zu können. Wir werden alle helfenden Hände so koordinieren, dass keine Kräfte unnötig verpuffen. 

Eilif, unsere praktisch-hilfsbereite Volontärin mit gutem Waldorf-Handarbeitsunterricht gesegnet, nähte gestern Plastikplanen in unendlicher Länge (Foto links). Damit können wir Zelte bauen, um die Menschen und Patienten im Freien zu schützen. 

Unser amerikanischer Freund Curtis hat mit Helfern begonnen, die stark beschädigte Schule in Budhanilkhanta vorsicht abzureißen, nicht ohne vorher die intakt gebliebene Solaranlage zu demontieren... Unser gehörloser Dharma ist ihm dabei eine große Stütze. Ich bin froh, wenn alle einsturzbedrohten Gebäude abgetragen und diese Gefahrenquelle aus dem Weg geräumt ist. Aus dem Schutt werden wir etwas Sinnvolles errichten. Phönix entstieg ja auch der Asche ... 

Die behinderten Kinder konnten wir vorläufig unter dem sicheren Dach der Brikett-Presserei unterbringen, die uns der Berliner Dom vor ein paar Jahren spendierte. Nur der Hang darf jetzt nicht abrutschen ... 

Rojsni liegt endlich gut versorgt bei uns in der Klinik – wir hoffen, dass wir ihren dreifach gebrochenen Finger retten können. 

Unsere Kindergärtnerin Rojsni hat den Mittelfinger dreimal gebrochen, und die Wunde ist entzündet. Sie hatte heftigste Schmerzen. Inzwischen wurde sie aber medikamentös gut versorgt und ruht sich aus – unsere handgewebte karierte Wolldecke (in Nepal Rhadi genannt) ist ihr in den noch kühlen Nächten eine gute Wärmehülle. 

Stolz präsentieren unsere Schneider die gerade gewebten Flickenfliesen. Wir können sie für die Unterbringung der Verletzten gut brauchen! 

Unsere unverletzten Shanti-Bewohner weben weiterhin tatkräftig Flickenfliesen. Zusammengenäht ergeben sie schützende Zeltunterlagen oder Zudecken. 

Eine Geschichte aus unserer unmittelbaren Umgebung hat uns noch ganz besonders berührt: Mrs. Subba, die tüchtige Agentin unseres nepalesischen Reisebüros, die alle unsere Reisen organisiert, gehört zu den 1,4 Prozent Christen in Nepal. Am Samstag vor einer Woche war sie zu einer Priesterweihe eingeladen in einem Dorf östlich von Kathmandu, Richtung Darjeeling. Das Dorf bestand aus ca. 60 Häusern. Natürlich waren alle BewohnerInnen (gleich, welcher Glaubensrichtung) zu dem ungewöhnlichen Ereignis eingeladen, und alle, alle kamen. 

Nach der Freiluftmesse auf dem großen Dorfplatz ging es mit einem Fest weiter. Während das Fest in vollem Gange war, bebte die Erde, und die Menschen konnten von dem Platz aus sehen, wie alle ihre Häuser wie Kartenhäuser in sich zusammenfielen. Kein einziger wurde verletzt – weil sie ja alle auf dem Dorfplatz waren. Dort blieben sie auch und mussten zuschauen, wie ihre Häuser bzw. das, was noch von ihnen übrig war, bei dem zweiten großen Beben am Sonntag den Hang hinunterrutschte ... Niemand wurde verletzt. Alle blieben am Leben. Diese Fügung hat die Menschen doch sehr nachdenklich gemacht.