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Breaking NEWS:

In der WELT erschien am 14. April 2016 ein sehr lesenswerter Artikel von Tobias Kaiser über die aktuelle Situation in Nepal – ein Jahr nach dem großen Beben. 

Frisch gebloggt: Meine sechs Wochen bei Shanti

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”
(Albert Schweitzer)

Berichte, Interviews, Nachrichten aus der
Shanti Leprahilfe

Die Shanti Leprahilfe bietet Menschen in Nepal eine Zuflucht, um die sich dort niemand kümmert: Obdachlosen, Versehrten, Waisen, verstoßenen Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderung. Bei Shanti finden sie ein Dach über dem Kopf, Arbeit, Essen, Schule, medizinische Versorgung. Shanti gibt den Menschen ihre Würde zurück und einen Platz in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.shanti-leprahilfe.de

Kathmandu

Schule

Meine sechs Wochen bei Shanti

Die Berliner Lehrerin Monika di Donato war im Rahmen ihres Sabbat-Jahres gemeinsam mit der Eurythmistin Ingrid Schweitzer von Mitte März bis Anfang Mai 2016 für sechs Wochen bei der Shanti Leprahilfe in Kathmandu und arbeitete u.a. an der dortigen inklusiven Waldorfschule mit. Hier ist ihr Bericht. 

Monika Di Donato (oben MItte links) und Ingrid Schweitzer werden vom Lehrerinnen-Kollegium mit Geschenken verabschiedet. 

Die nepalesischen Lehrerinnen waren vor allem an dem Lehrplan der sechsten, siebten und achten Klasse interessiert, und so konnte ich aus meinen pädagogischen Erfahrungen berichten und einen Einblick in unterschiedliche Epochen geben. Es entstand ein mehrtägiges Programm, in dem sich praktisches Tun, Vortragsarbeit und gemeinsamer Austausch abwechselten.

Einen Schwerpunkt bildete die Geometrie in der 6. Klasse, da ich dank einer großzügigen Spende aus unserem Schulumfeld das zugehörige Werkzeug, die schönen Waldorfzirkel, mitbringen konnte. Buddha, ein Junge, der aufgrund eines Hirnschadens spastisch verdrehte Arme hat, benutzte den Zirkel geschickt mit den Füßen.

Das Lehrerinnen-Kollegium bei der Eurythmie.

Ingrid Schweitzer ergänzte die Inhalte der Epochen stets mit Eurythmie. Gerade in der Geometrie ist die Verbindung zur Eurythmie wertvoll. Wir waren sehr beeindruckt, wie schön und leicht die Lehrerinnen die eurythmischen Bewegungsformen umsetzten. Innerhalb kurzer Zeit haben sie die Dreiecksverschiebung mit dem „Prolog im Himmel“ einstudiert und am letzten Tag unserer gemeinsamen Arbeit den Schülern vorgeführt. In den darauffolgenden Tagen wurden die Schüler und Schülerinnen der 6. und 7. Klasse von Rabina, der Schulleiterin, in die Arbeit mit den Zirkeln eingeführt. Eifrig arbeiteten sie an den geometrischen Formen. 

Die Schülerinnen und Schüler sind zur Zeit in den Räumlichkeiten der medizinischen Ambulanz und den angegliederten Reha-Werkstätten untergebracht. Das frühere Schulgebäude, das in der Shanti-Dependance in Budhanilkhanta im Norden Kathmandus untergebracht war, ist durch das große Erdbeben im April 2015 komplett zerstört worden.

Morgendlicher Flötenunterricht auf der Dachterrasse – im Hintergrund trocknen die bei Shanti aus Altpapier und Holzspänen hergestellten Bio-Briketts, die für die Kochstellen benötigt werden. 

Jetzt ist die räumliche Situation sehr eng, und die Lehrkräfte, aber auch die Schülerinnen und Schüler müssen viel improvisieren. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch – überall wird man mit einem freundlichen Lächeln und dem nepalesischen Gruß „Namaste“ empfangen. Das morgendliche Flötenspiel tönt durch die zum Teil noch im Bau befindlichen Räume, während die Nähmaschinen in den Reha-Werkstätten zu rattern beginnen. Es ist ein offenes Haus, ein lebendiges Tun, an dem alle teilhaben.

Mädchen aus der Shanti-Schule führen einen nepalesischen Volkstanz auf. 

Am Jahrestag des Erdbebens, dem 24. April, durfte ich eine sehr eindrucksvolle Monatsfeier in Gedenken an diesen Tag miterleben. Die Schüler und Schülerinnen haben aufgeführt, was sie mit dem notfallpädagogischen Team der Freunde der Erziehungskunst e.V. nach dem Erdbeben erarbeitet haben, ergänzt mit musikalischen Elementen ihres Schulalltags. Es wurden persönliche Lieder und Gedichte vorgetragen, sowie rhythmische und soziale Gruppenübungen vorgeführt. In farbenfrohen Kostümen zeigten junge Mädchen einen nepalesischen traditionellen Volkstanz, denn das Fach „Volkstanz“ gehört in den wöchentlichen Fächerkanon. Die Zuschauer waren sichtlich begeistert und klatschten anfeuernd im Takt.

Flöten-Vorspiel im Rahmen der Feier zur Erinnerung an das schwere Erdbeben am 25. April 2015 im Innenhof der Hape-Kerkeling-Klinik. 

Die Feier fand in dem großen runden Innenhof der Hape-Kerkeling-Klinik statt, so dass auch wartende Patienten der Ambulanz und die BewohnerInnen des Pflegeheims an der Feier teilhaben konnten. Zum Schluss der Veranstaltung kam eine wartende Patientin auf die Bühne und bedankte sich sehr gerührt für das schöne Erlebnis. Sie sagte, sie könne jetzt wieder nach Hause gehen, denn diese wunderbare Aufführung habe sie ihre Krankheit vergessen lassen und sie fühle sich jetzt wieder ganz gesund. Ein schöner Abschluss für diese gelungene Veranstaltung!

Die sechs Wochen bei Shanti waren eine unvergessliche Zeit für mich – ein inspirierender Ort, an den ich gewiss noch einmal zurückkehren werde!

Alle Fotos: (c) Monika Di Donato

Nepal

Nepal ein Jahr nach dem großen Beben

Ein Jahr ist es jetzt her, dass ein verheerendes Erdbeben das Land erschütterte. Viele Menschen, die die Shanti-Leprahilfe in dieser Zeit unterstützt haben, werden sich fragen: Was ist in der Zwischenzeit passiert? Hat meine Hilfe etwas bewirkt? Wie geht es den Menschen vor Ort? Hier der Bericht von Marianne Großpietsch, die erst vor wenigen Tagen aus Nepal zurückgekehrt ist: 

"Zunächst einmal: Ihre finanzielle Unterstützung war lebensrettend und -erhaltend! Sie haben uns ermöglicht, unmittelbar Not-wendendes zu tun und Langzeithilfe zu initiieren. Dafür schon vorab ein großes Dankeschön! 

Hier werden Patienten kostenlos medizinisch versorgt. 

Unmittelbar nach dem Beben hatten mein Sohn Heiko und ich für eine knappe Woche unter Zeltplanen Unterschlupf gefunden, gemeinsam mit 10 VolontärInnen, einigen Patienten, der Familie unseres Hausvaters, dem fünfköpfigen mexikanischen Filmteam, das gerade bei uns war, und etlichen Gestrandeten. Der Monsunregen hatte bereits eingesetzt – hunderte von Menschen lebten auf dem freien Platz, teilten sechs Toiletten und wurden von der Regierung mit Reis und Gemüse auf abgerissenen Zeitungsblättern versorgt. Immer wieder bebte die Erde nach und löste Angst und Schrecken aus.

Inzwischen hatte Bijendra, unser getreuer Junior Manager, im Zentrum die Hilfsaktionen in die Hand genommen: Er öffnete die Toilettenanlagen in der Klinik für die umliegende Bevölkerung (wir haben insgesamt 28 Einzeltoiletten bei Shanti.). In den ersten Tagen gab es keinen Strom. Bei unseren Nachbarn, der Augenklinik, war die Photovoltaik-Anlage durch die Wucht des Bebens vom Dach gestürzt. Unsere jedoch hatte Stand gehalten, und so installierte Bijendra Dutzende von Steckdosenleisten, sodass die sorgenvollen Menschen aus der Nachbarschaft ihre Mobilphone aufladen konnten. Sie wollten ja unbedingt ihre Verwandten in den Dörfern anrufen und hören, ob sie überlebt hatten. Da gab es viele Tränen zu trocknen ... Eine unsere Patientinnen zum Beispiel verlor neun Familienmitglieder, die unter ihrem zusammenstürzenden Elternhaus begraben worden waren.

Neben  den Steckkontaktleisten wurde auch unsere Wasserpumpe durch Photovoltaik mit Energie gespeist: es gab also Wasser in der Station – ein Segen! 

Die fleißigen Großmütter sind stolz auf die von ihnen gewebten Flickenteppiche, die in den Zeltlagern vor Kälte und Nässe schützen. 

Inzwischen hörten wir immer mehr erschreckende Details über das Ausmaß der Schäden: Unser Dorf in Budhanilkanta, die Schule, das Internat und das Heim für die behinderten Kinder waren irreparabel zerstört. Wie durch ein Wunder hatten aber alle Kinder und Erwachsenen unbeschadet überlebt. Wir schickten Zelte, Essen und wärmende Decken. Die Straße war zum Glück befahrbar.

Als wir wieder ins Zentrum zurückkonnten, begannen wir, hunderte von Plastiktüten mit Trockennahrung zu füllen: Keksen, Salzstangen, Nüssen etc. Damit beluden wir unsere Pick-ups und fuhren in entlegene Dörfer, wo die Menschen hungerten. Unsere Ärztin fuhr mit und behandelte noch unversorgte Wunden, Knochenbrüche und andere Verletzungen. 

Im Zentrum selbst kochten wir noch größere Mengen an Essen, und jeden Nachmittag verorgten wir zusätzlich noch die HelferInnen des deutschen Technischen Hilfswerks am nahegelegenen Flughafen. Sie waren dort, um als vermisst gemeldete deutsche Touristen zu registrieren. Viele Trekking-Touristen waren in entlegenen Orten (z. B. Langtang, das mit am schwersten betroffen war) von dem Beben und Erdrutschen überrascht worden – nun bangten die Familien in Deutschland, ob ihre Angehörigen überlebt hatten. Allerdings war nicht daran gedacht worden, diese geduldig ausharrenden HelferInnen mit Essen zu versorgen – umso mehr freuten sie sich über die von unserem Koch Gyanu zubereiteten gefüllten Teigtaschen und Pfannkuchen. 

Action Medeor hatte sofort nach dem Beben eine Hilfssendung auf den Weg gebracht, und in dem Chaos am Flughafen gelang es Heiko tatsächlich, 1,2 Tonnen Medikamente und 13 Wasserfilter ("PAUL") direkt auf dem Flugfeld auf unseren Laster zu laden und ins Zentrum zu transportieren.

Immer noch werden Menschen im wahrsten Sinne des Wortes vor unserem Zentrum "abgelegt" – auf dem Foto links war es ein Diabetiker, der kein Geld für Insulin hatte und gestorben wäre, wenn wir uns nicht um ihn gekümmert hätten. 

Dank der PAULs konnten wir keimfreies Trinkwasser an die Nachbarschaft ausgeben – unsere Sorge vor einem Typhus- oder Cholera Ausbruch war natürlich groß, denn angesichts des Monsuns wuchs diese Gefahr sprunghaft. Weitere 10 PAUL-Wasserfilter verteilte Heiko an Institutionen  wie Klöster, die ebenfalls viele Gestrandete versorgten, sowie auf von der Polizei bewachte Plätze und Schulen, um sicherzustellen, dass das Trinkwasser auch wirklich dort ankam, wo es gebraucht wurde: bei der Bevölkerung.  

Die PAULs sind dafür ideal: Sie haben eine Lebensdauer von ca. 10 Jahren und liefern täglich 1.200 Liter Trinkwasser. Geht man davon aus, dass pro Person drei Liter Trinkwasser täglich nötig sind, versorgen unsere PAULs an jedem Tag 5.200 Menschen mit keimfreiem Wasser! 

Drei PAULs haben wir im Zentrum in Tilganga installiert, denn in unserer Nachbarschaft wohnen viele arme und bedürftige Menschen, die sich weder Essen noch sauberes Wasser leisten können. Zwei PAULs stehen auf der Balustrade der Klinik, dort sind sie vor Diebstahl geschützt, und die direkt davon ausgehenden Leitungen führen zu großen Wasserbehältern. Sie haben wir mit fünf Hähnen versehen, damit die Frauen und Kinder nicht so lange anstehen müssen, bis sie ihre Wassergefäße gefüllt haben (anderswo dauert das Stunden). 

Der große Vorzug der PAULs ist, dass sie wirklich keimfreies Wasser liefern. Denn das Wasser aus den Tankwagen, mit dem ein Großteil der Bevölkerung versorgt wird, ist natürlich Brauchwasser und somit keimbelastet. Nun arbeiten wir daran, möglichst viele der neu entstehenden Schulen (mehrere tausend sind zerstört) mit einem PAUL ausstatten zu können und stehen dafür mit der Botschafterin der EU, Reensje Terink, in Kontakt, die diese Idee unterstützt. 

Die Medikamente der Action Medeor erwiesen sich als Segen: Es kam nämlich zu einer fünfmonatigen Blockade der indischen Grenze und damit zu einem Importstopp. Auch für die dringend benötigten Arzneimittel wurde keine Ausnahme gemacht. So waren wir mehr als froh, wenigstens in unserer Klinik die Bedürftigen medizinisch versorgen zu können. 

Inzwischen hatte unsere Freundin Sangita Shrestha, die Mitbesitzerin des Dwarikas Hotels, 320 Überlebende aus den zerstörten Dörfern in Sindhupalchowk (nahe der Grenze zu Tibet) in einem Lager auf einem Sportplatz untergebracht. Die dort errichteten Zelte waren gespendete Wüstenzelte ... Sie schützten zwar gegen Wind und Sonne, aber sie waren nicht regendicht! Also nähten unsere Shanti-Schneider zwei Monate lang Zelte aus festen, wasserdichten Planen, fertigten Gummimatten aus alten Reifenschläuchen, Heiko installierte eine PAUL-Trinkwasseranlage, dafür mussten große Container besorgt werden. In einem Behandlungszelt leisteten Ärzte Erste Hilfe und konnten die Bedürftigen mit den Medikamenten der Action Medeor versorgen.

Am Waschplatz errichtete Heiko eine Solar-Warmwasseranlage, damit die Mütter ihre Neugeborenen nicht mit eiskaltem Wasser waschen mussten.

Früh übt sich: Auch die Kleinen helfen fleißig mit, die Flickenteppiche zusammenzunähen. 

Außerdem etablierten wir ein "Handwerkszelt" mit Nähmaschinen, um die Frauen mit sinnvollen Arbeiten zu beschäftigen – für sie war es am schlimmsten, untätig herumsitzen zu müssen und nichts machen zu können. Inzwischen betreut unsere Shanti-Handarbeitslehrerin die Frauen nun schon seit elf Monaten. Diese verdienen sich ein Zubrot durch Recycle-Papierprodukte. Außerdem kauften wir für 1000 Euro Schafwolle, aus denen die Frauen Pullover, Mützen und Jacken für den Winter stricken konnten. Auch in Zukunft sollen sie durch Handarbeiten etwas Geld einnehmen können. 

Die Kinder aus Budhanilkanta evakuierten wir kurzerhand in unser Zentrum in Kathmandu. Es war zu gefährlich, sie in den jederzeit vom Einsturz bedrohten Gebäuden zu lassen. Wenn alle im Zentrum etwas zusammenrückten, so konnten wir sie dort durchaus noch mit aufnehmen, und auch der Unterricht konnte weitergehen. Jede verfügbare Ecke wird genutzt und ausgebaut, damit wir die SchülerInnen unterrichten können. Auch hier ist die Erdbebensicherheit das wichtigste Ziel. Denn immer noch erschüttern mehr oder weniger schwere Beben die Erde. 

Am 25. April, dem Jahrestag des Erdbebens wollten wir die Kinder jedoch nicht so sehr an die Schrecken erinnern, sondern ihnen eine Freude machen und eine Zukunftsperspektive geben. Noch immer sind ja täglich 13 Stunden Stromsperre hinzunehmen. Jede Familie bekommt deshalb eine Solarlampe, die sechs Stunden lang leuchtet. Das Solarpaneel zum Aufladen bleibt in der Schule, damit die begehrten Lampen nicht etwa "Beine bekommen", außerdem ist das Paneel so nach der Sonne ausgerichtet, dass es maximal Energie aufnimmt. 

Anlässlich des Geburtstags ihres Sohnes hatte Sangita Shresta vom Dwarikas Hotel Muffins mit Zuckerguss und Sahne spendiert! 

Und da der Monsun jetzt wieder naht, bekommt jedes Kind, auch die Kinder im von Sangita Shresta betreuten Zeltlager, eine Regenhaut. Und weil Obst so teuer ist, dass es sich arme Leute nie leisten können, gibt es Wassermelone für alle – die Melonen werden gerade geerntet und sind daher am günstigsten.

Einen Wermutstropfen gab es dennoch für uns: All die vielen Pakete mit Kinderkleidung, die uns zugeschickt wurden, konnten wir nicht ins Land bringen – wir bekamen dafür keine Einfuhrgenehmigung von den Regierungsstellen. Schon daran sehen Sie, wie absurd der Zustand im Land ist. Wir haben die Kleidung deshalb jetzt an Heime für behinderte Kinder in Novi Sad und Tadschikistan geschickt – wir haben die Kartons selbst mit verladen und erhielten Fotos aus den Heimen, dass die Sendungen gut angekommen sind. So konnten wir sicher sein, dass die Spenden auch hier einem guten Zweck zugeführt wurden. 

Noch immer ist die Situation im Land katastrophal – die Medien berichteten darüber gerade in diesen Tagen, zum Beispiel DIE WELT. Insgesamt wurden über 3,65 Milliarden Euro (!) an Hilfsgeldern nach Nepal überwiesen oder fest zugesagt. Verteilt wurden davon bis jetzt 275.000 Euro für den Wiederaufbau der schätzungsweise 600.000 zerstörten Häuser – das sind 0,0075 Prozent der Hilfsgelder. Die Menschen leben weiterhin vorwiegend in den – inzwischen recht maroden – Zelten und Behelfsbehausungen. 

Zum Vergleich: In dieser Zeit halfen wir der Shanti-Familie und anderen Bedürftigen mit 551.000 Euro Spendengeldern und Sachspenden im Wert von 80.000 Euro, insgesamt also 631.000 Euro. Das sind rund 220.000 Euro mehr, als wir in „normalen“ Jahren für unsere Arbeit brauchen. Dass wir so direkt und unbürokratisch helfen konnten, verdanken wir Ihnen, lieber Spenderinnen und Spender! Dafür nochmals unseren tief empfundenen Dank! Bleiben Sie uns treu! 

NepalKinder

Welt-Lepra-Tag bei Shanti in Kathmandu

Seit 1954 wird am letzten Sonntag im Januar zum Welt-Lepra-Tag aufgerufen. Dieser Termin wurde gewählt in Erinnerung an den Todestag von Mahatma Gandhi, der sich für Leprakranke sehr engagiert hat. 

Seinerzeit war es noch nicht möglich, Lepra zu heilen. Heute ist das zwar machbar, aber die Krankheit noch längst nicht ausgerottet. Jährlich erkranken immer noch 230.000 Menschen daran – die Dunkelziffer ist weitaus höher. Daher ist der Welt-Lepra-Tag immer noch aktuell und inzwischen eine feste Institution in etwa 130 Ländern der Welt. 

Der Demo-Zug der SchülerInnen und Studierenden

Zum diesjährigen Welt-Lepra-Tag jaben Ritu Pant, Angshu Neupane, Samana Parajuli, Sneha Joshi und Sushmita Bhadari, Studierende für Sozialarbeit am St. Xavier's College in Kathmandu, gemeinsam mit SchülerInnen der 6. Klasse und des Hostels einen Demonstrationszug durch Tilganga und die nähere Umgebung (vor allem in den Stadtteilen Pingalasthan und Gaushala) gestartet, um auf das Lepra-Problem aufmerksam zu machen. Sie wollten die Menschen informieren, dass Lepra durch rechtzeitige Diagnose und Behandlung – zum Beispiel in der Hape-Kerkeling-Klinik von Shanti in Kathmandu – heilbar ist. 

Solche Aktionen sind leider auch heute noch dringend nötig, denn in der nepalesischen Gesellschaft gibt es große Vorbehalte gegenüber kranken und behinderten Menschen. 

Der Demo-Zug für eine sauberere Umwelt  im Dezember 2015 startete im Shanti-Zentrum in Tilganga ... 

Die Studierenden leisten ihre Praxisstunden an zwei Tagen in der Woche in unterschiedlichen Bereichen im Shanti-Zentrum ab. Sie haben einen Aktionsplan aufgestelt, um einen kleinen Beitrag zu leisten, die nepalesische Gesellschaft zum Besseren zu verändern.

... aber davor wurde erst einmal das Zentrum saubergemacht! 

Dazu gehörte auch ein Umwelt- und Putztag bei Shanti mit allen SchülerInnen sowie eine Demonstration unter dem Motto "No pollution is the better solution" (keine Umweltverschmutzung ist die bessere Lösung).

Der Demo-Zug bewegt sich durch das Stadtviertel

Der Demo-Zug der Schulkinder war in zwei Bereiche aufgeteilt:

- ein Teil der Kinder trug Plakate mit Parolen auf Englisch und Nepali, die sie auch gerufen haben;

- die anderen Kinder sammelten entlang der Strecke des Demo-Zuges den Müll von der Straße ein. 

Das Ergebnis dieser Aktion hat ein Schüler der sechsten Klasse ganz herzerfrischend und lebensnah im Gespräch mit einem Freund zusammengefasst:

"Es ist eine schreckliche, erniedrigende und schmutzige Arbeit, den Müll anderer einzusammeln – ich werde nie mehr meinen Abfall auf die Straße werfen!" 

 

Nepal

Es weihnachtet - auch in Nepal!

Es weihnachtet! Die Menschen sehen trotz Stress erwartungsvoll aus – es liegt wohl  die Sehnsucht nach Freude in der Luft. Freude wird in mir durch dieses Photo geweckt:

Es ist das Bild einer jungen Mutter aus dem nepalesischen Dorf Sindhupalchowk, das durch das große Beben im April diesen Jahres vollständig zerstört wurde. Die Überlebenden haben im "Camp of Hope" unserer Freundin Sangita Shresta Einhaus, der Besitzerin und Chefin des berühmten Dwarikas Hotel in Kathmandu, eine Bleibe gefunden. Zurzeit wird daran gearbeitet, ob es möglich ist, das Dorf am gleichen Ort wieder neu aufzubauen – denn natürlich wollen die Bewohner ihre Heimat nicht aufgeben. 

Möge dieses Bild auch bei anderen ein ähnliches Lächeln hervorlocken wie bei mir: Das winzige Kind, eingemuckelt in warme, gespendete Kleidung. Die fürsorgliche Solidarität von Nepalreisenden, die in ihren Koffern Kinderkleidung mitnahmen, wird  in  diesem Bild so herzerwärmend deutlich – diese Freude möchte ich gerade an Weihnachten teilen.

Genauso solidarisch standen so viele Menschen die Shanti Leprahilfe das ganze Jahr über mit ihrer Hilfe zur Seite. Sie haben es uns ermöglicht, Menschen zu ernähren, zu kleiden, medizinisch zu versorgen, ihnen eine Dach über dem Kopf zu geben. Wir konnten sie damit in Fürsorge einhüllen und werden das dank Ihrer Spenden auch weiterhin können. Bitte lesen Sie dazu auch unseren Weihnachts-Rundbrief, den wir auf unserer Shanti-Homepage eingestellt haben. 

Mich bewegt in diesem Jahr sehr, dass ich die Erdbeben unbeschadet überlebt habe und im Sommer nach Deutschland zurückkehren konnte. Es ist seit vielen Jahren das erste Mal, dass ich für eine so lange Zeit hier bin. Es ist für uns alle jedoch eine große Beruhigung, meinen Sohn Heiko immer wieder vor Ort zu wissen.

Seit dem großen Erdbeben habe ich viel Zuspruch und Ermutigung erfahren. Das hat mich wohl davor bewahrt, psychisch in ein Loch zu fallen. Aber immer noch zucke ich zusammen, wenn z.B. jemand an den Tisch stößt und dieser wackelt – das löst jedes Mal Fluchtreflexe in mir aus. Aber damit lerne ich umzugehen.

Ich merke auch zunehmend, wie mich die Erfahrung des politischen und gesellschaftlichen Elends in Nepal sensibilisiert für all das Gute, das wir hier in Deutschland oft als selbstverständlich ansehen. Ich denke da an unsere  relative Rechtssicherheit, die auch Korruption ahndet, wenn sie entdeckt wird, oder die Gutwilligkeit und Kompetenz so vieler PolitikerInnen, oder unsere Krankenversicherung; an das warme Duschwasser am Morgen, überhaupt: Trinkwasser überall, Elektrizität zu jeder Zeit.

Manchmal staune ich darüber wie ein Kind, vor allem wenn ich die täglichen Nachrichten aus Nepal lese. Unsere Ärztin rief  gestern an, sie hatte in ihrem Wohnviertel in Kathmandu 32 Stunden lang keinen Strom.

Ich genieße es auch, so viel Kultur zur Auswahl zu haben: Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Theater, unser bereicherndes Radioprogramm... All das schenkt mir ganz viel Kraft. Und mit dieser Kraft und zugleich aus großer Dankbarkeit heraus, konzentriere ich mich hier in Deutschland darauf, Wege zu finden, wie wir dem mit jedem Tag wachsenden Elend in Nepal begegnen können.

Ich reise dafür z. B. nach Hamburg, Berlin, Augsburg und an viele weitere Orte im ganzen Land, um Menschen um Hilfe für unsere Schutzbefohlenen zu bitten. Die große Solidarität, die uns in den Wochen nach dem Erdbeben getragen hat, spüre ich auch bei den Vorträgen und Gesprächen, das macht mich dankbar und gibt mir immer wieder neuen Mut.Gerne komme ich auch in andere Städte oder Schulen, um über unsere Arbeit zu berichten und Fragen zu Nepal zu beantworten. 

Außerdem veranlasse ich in fast täglichem Kontakt mit unseren Mitarbeitenden bei Shanti zusätzliche Hilfsprogramme, wie z.B. die Versorgung der Bettler am Pashupat Tempel mit warmem Mahlzeiten. Die Touristen bleiben aus, da dürfen wir die Armen nicht hungern lassen.

Frieden – danach haben alle Menschen weltweit die größte Sehnsucht. Ich wünsche Ihnen allen diesen Frieden – an Weinachten und im ganzen vor uns liegenden neuen Jahr! Und ich danke Ihnen allen für Ihr Wohlwollen, Ihre Spenden und Ihre Treue! 

Bleiben Sie alle gut behütet – 

Ihre Marianne Großpietsch 

Nepal

Aufbauen, ernähren, das Chaos organisieren ...

Hier der aktuelle Bericht von Marianne Grosspietsch aus Kathmandu: 

"Lautes, flehendes Beten dringt aus dem unserem Haus benachbarten Sai-Baba-Tempel zu mir herüber. Das Volk ist so voller Angst und Ratlosigkeit. Immer noch vibriert die Erde täglich viele Male. Dann werden die Gesichter schreckensstarr, und die Augen weiten sich vor Angst. Wie nachvollziehbar, dass da auf alle nur erdenkliche Weise die Götter angerufen werden. 

Rojsni fragt unsere Schulleiterin Rabina, wann die Schule endlich wieder losgeht. 

Und doch müssen wir auch den Alltag unter die Füße nehmen und Wege fürs Überleben suchen. Bei Shanti haben wir jetzt auch alle behinderten Kinder aus dem weitgehend zerstörten Budhanilkhanta ins sichere Zentrum nach Kathmandu geholt. Der Platz reicht aus – wenn alle rücksichtsvoll aufeinander achten. Unsere Kindergärtnerinnen sind so liebevoll – wir trauen ihnen zu, dass sie ein solidarisches Miteinander schaffen, denn vor allem im Kindergarten wurde zusammengerückt, um Raum für die neuen Mitbewohner zu schaffen. 

Rabina erzählt den behinderten Kindern, die nun auch in der Station betreut werden, eine Geschichte.

Künftig soll auch der Schulunterricht in der Station stattfinden – denn das ursprünglich dafür gedachte Gebäude ist unbewohnbar geworden. Heiko und Rabina, unsere Schulleiterin, haben gemeinsam einen Raumplan gemacht, und mit ein paar Umbauten sehen wir einen gangbaren Weg. Welch ein Segen, dass wir tüchtige Schreiner und Maurer unter der Patientenschar haben, sodass wir alle Maßnahmen aus eigener Kraft stemmen können. 

Alle helfen mit, die Schulsachen in die oberen Räume zu bringen, so künftig der Unterricht stattfinden wird. 

Der handwerklich hochbegabte Kamal (rechts) schnitzt Bambusstäbe für Hocker und – noch feiner – für Strick- und Häkelnadeln. 

Wie immer, wenn sich viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Altersgruppen, aus verschiedenen Schul- und Glaubensrichtungen um Lösungen bemühen, gilt es, einen Konsens zu finden, der für alle tragbar ist. Da kommt es schnell mal zu Reibereien und Missverständnissen. Und es bedarf großer Geduld und Toleranz bei allen Beteiligten. Heiko und ich sehen unsere Aufgabe darin, dass wir unsere Kräfte auf Shanti konzentrieren und nicht in Aufgaben außerhalb von Shanti zersplittern. Wenn man um sich schaut, weiß man kaum, wo beginnen, so groß ist die Not. Je tiefer wir mit hineingenommen werden in die Sorgen der einzelnen Patienten, desto größer wird das Spektrum an Lösungsbedarf für all die bittere Not, die an uns herangetragen wird. Und doch sind wir ja immer dort am wirksamsten, wo wir am meisten Einfluss nehmen können – und das ist für uns der Rahmen, den uns Shanti bietet. 

Für die jungen Volontärinnen ist das oft schwer nachvollziehbar. Manche meinen, wir sollten auch weiterhin Hilfssendungen in entlegene Dörfer organisieren, wie in en allerersten Tagen nach dem großen Beben. Zwischenzeitlich hat sich die Situation jedoch dahingehend geändert, dass sich die großen internationalen Hilfswerke wie Welthungerhilfe, Rotes Kreuz, Unicef usw. mit den Regierungsstellen geeinigt haben, bestimmte Regionen im Land jeweils verantwortlich zu versorgen. Die Regierung untersagt verständlicherweise eigenmächtige Aktionen, um Doppel- und Fehlbelieferungen zu vermeiden. Wir halten uns als Shanti an diese Regelungen, denn wir wollen nicht unnötig Probleme verrusachen, wenn wir konstruktiv auf unsere Weise vor Ort in Kathmandu viel Not und Leiden lindern können. 

Für die Kinder sind die großen Berge von Papierstreifen, die wir für die Brikettherstellung brauchen, ein willkommener und gut geplolsteter Platz für Tobespiele aller Art! 

Neben der Arbeit in unserer Station beteiligen wir uns an der Hilfsaktion unserer Beraterin, der Hotelbesitzerin Sangita Shrestha vom Dwarikas Hotel, die in einer Zeltstadt über 320 Menschen mit dem Lebensnotwendigen versorgt. Wir haben ihr einen unserer PAULs zur Wasserversorgung abgetreten, so dass die Bevölkerung dort über ausreichend Trinkwasser verfügen kann. 

Um die Menschen aus ihrer Starre zu lösen, baut Heiko dort gerade ein "Werkzelt" mit sechs Nähmaschinen auf. Dort werden wir ab morgen den Frauen Nähen, Stricken, Häkeln und Weben beibringen. Wir nehmen dafür mehrere kundige Frauen aus der Shanti-Station mit. Dann können die Menschen etwas Sinnvolles tun, und ihr Leben bekommt wieder mehr Hoffnung. 

Zurzeit warten wir auf 200 lichtstarke Solarlampen, die wir in die Zelte hängen möchten, damit diese auch abends erleuchtet sind. Glücklicherweise haben wir gute Kontakte zur lokalen Direktion von Etihad Airways, die den Transport übernehmen. 

Mit solchen lebenspraktischen Aktionen versuchen wir, in kleinen Schritten die Situation der Betroffenen möglichst nachhaltig zu verbessern. Unser nächstes Vorhaben ist, ein "Pfannkuchen-Zelt" zu initiierren, denn die Kindern brauchen kleine Zwischenmahlzeiten. Wir hoffen, zwei oder drei Frauen dafür gewinnen zu können, Bananen-Pfannkuchen zu backen und die größeren Kinder dabei mithelfen zu lassen. 

Außerdem werden wir Kräutertee beziehen von unserem Freund Peter Effenberger von One World, dem einzigen Demeter-zertifizierten Landwirt hier in Nepal, um eine kleine Teestation zu errichten. Sein Büro ist fußläufig vom Zeltlager entfernt, sodass leicht Nachschub geholt werden kann. 

Ein großer Vorteil der Zeltstadt ist, dass Sangita eine Reihe von Wellblech-Toiletten und -Duschen über dem Abwasserkanal errichten ließ. Somit ist die Gefahr von Seuchen wie Cholera und Typhus dort weitgehend gebannt, denn das Trinkwasser wird über PAUL zuverlässig gefiltert. 

Für die Shanti-Patienten haben wir ein großes Quantum reine Wolle besorgt, und jetzt wird kräftig gestrickt und gehäkelt – denn der nächste Winter kommt bestimmt. Auf dem Bild links trägt Asmita stolz das erste fertige Jäckchen! 

Zwei unserer Volontäre haben mit ihrer wunderbaren praktischen Begabung auch die Trinkwasserversorgung für die Zeltbewohner vor den Toren der Shanti-Station gelöst. Sie stellen einen der PAULs einfach auf einen Vorsprung im 1. Stock der Klinik. Von dort läuft ein langer Schlauch in einen Behälter mit 1000 Liter Fassungsvermögen auf dem Platz. Daraus können die Zeltbewohner ihr Trinkwasser beziehen, und wir können sicher sein, dass PAUL sachgerecht befüllt und bedient wird. 

Für weiterreichende Pläne fehlt uns derzeit die Kraft. Aber ich bin gewiss, dass wir längerfristige Lösungsansätze entwickeln können, wenn alles wieder überschaubarer und ruhiger geworden ist. Bis dahin setzen wir einen Fuß vor den anderen und freuen uns, wenn die Erde uns trägt."

Nepal

Wir planen wieder

Hier der aktuelle Bericht von Marianne Grosspietsch aus Kathmandu: 

"Etliche Tage habe ich nicht berichten können – der Schlafmangel und die vielen Sorgen lasteten wie Blei auf meiner Seele. Inzwischen regen sich neue Kräfte und wir versuchen, einen Weg aus dem Chaos zu finden. 

Die großen Plätze in Kathmandu für viele zum Notquartier geworden. Auch der Platz vor unserer Station. 

Noch leben viele, viele Menschen – auch diejenigen, die noch Häuser haben – in Zelten, aus Angst vor neuen Nachbeben. Es gibt kaum noch Planen zu kaufen. Glücklicherweise konnten wir 200 Stück aus Indien beziehen, die wir jetzt zu Zelten nähen lassen. Heiko hat ein pfiffiges System entwickelt, wie das Zelt durch eingenähte Seile in Nullkommanix errichtet werden kann. 

Alle Sachen aus der einsturzgefährdeten Schule lagern wir jetzt in der Station. 

Glücklicherweise haben wir alles Hab und Gut aus dem durch das große Nachbeben einsturzgefährdeten Schulgebäude herausholen können. Sogar alle Kinderzeichnungen konnten klassenweise gebündelt gerettet werden. Alles Material lagert jetzt sicher in der Station in Tilganga. 

Da das Haus jetzt aber nicht mehr nutzbar ist, sind wir in der Station noch enger zusammengerückt und haben die Schule dorthin verlagert. Das kommt uns entgegen, denn der Schulbus ist reparaturbedürftig und die Mechaniker größtenteils bei ihren Familien auf den Dörfern, um zu helfen. Es wird also noch eine Weile dauern, bis wir den Bus wieder einsetzen können. 

Kamal hat durch die Lepra schon einen Unterschenkel eingebüßt, auch der rechte Fuß ist schon stark verstümmelt. Trotzdem ist er immer guter Laune und webt fleißig Flickenteppiche – der große Stapel im Regal ist sein Werk! 

Für unsere Patienten ist die Lage schwierig – sie können ihre Familien in den Dörfern kaum erreichen, und die Sorge und der Kummer über die ungewisse Lage setzt ihnen schwer zu. Wir versuchen nach Kräften, sie zu trösten und sichern ihnen und ihren Familien unsere Unterstützung zu. Es wird mühevoll sein und noch eine ganze Weile dauern, bis alle Klarheit haben, wie es ihren Angehörigen geht.

Der nächste Winter kommt bestimmt ... Deshalb lassen wir auf traditionellen Nomadenwebstühlen Wollteppiche, die sogenannten Rhadi, weben. Sie dienen als Unterlage oder Zudecke.

Langsam wird das Ausmaß der Schäden in Kathmandu absehbar. Wenn wir mit dem Auto durch Stadt fahren, dann immer in der Mitte der Fahrbahn, weil man nie weiß, wann von rechts oder links irgendwelche Häuser auf die Straße stürzen. Die Regierung hat bisher keinen Plan, wie die riesigen einsturzgefährdeten Hochhäuser abgetragen werden können. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Experten und auch an entsprechendem Gerät."

Nepal

Nach dem großen Nachbeben

Marianne Grosspietsch schreibt aus Kathmandu: 

Unsere Kindergärtnerin Sati Devi hat sich bei der Flucht aus dem Gebäude am Fuß verletzt und wird ärztlich versorgt. 

"Als am Dienstagmittag die Erde wieder bebte, saßen wir gerade beim Essen in der Station in Tilganga. Es rüttelte heftig – die Erwachsenen unter den Shanti-Bewohnern schrien auf und rannten aus dem Innenhof hinaus auf den freien großen Platz vor der Station

Irina aus Tadschikistan tröstet die völlig verstörte Logan Devi.

In beeindruckender Ruhe begleitete das einsatzfreudige, warmherzige Team der Traumaspezialisten der "Freunde der Erziehungskunst" unsere Kinder auf den sicheren Platz. Es ist eine ganze Kinderschar geworden, denn wir haben inzwischen auch die Kinder der Balsarati Armenschule an unser Herz genommen. 

Als sich die Erde wieder etwas beruhigt hatte, begannen die Traumaspezialisten mit Kreistänzen und Klatschspielen – eine der besten Methoden, um Angst und Panik in den Hintergrund zu drängen und den Kopf wieder mit Positivem zu füllen. Darauf sprechen nicht nur Kinder an – auch die verängstigten und verstörten Erwachsenen stellten sich dazu, und ihre erstarrten Gesichter lösten sich und bekamen wieder weichere Züge. 

Die Häuser rundum und in der ganzen Stadt sind nun noch gefährlicher geworden. Es gibt wieder viele Zeltlager – denn nun sind wieder Tausende mehr obdachlos geworden. Auch die große Schule, die wir als Notlösung für unsere Kinder in Kathmandu angemietet hatten, ist nun völlig unbrauchbar geworden. Bis zum 29. Mai soll nun kein Unterricht mehr sein. Für die Kinder ist das eine Katastrophe, weil sie durch den Unterricht von dem schrecklichen Geschehen abgelenkt werden. Vor allem aber finden sie dabei eine sinnvolle Beschäftigung – und spielen nicht in den gefährlichen Ruinen. 

Wir sind weiterhin froh, dass wir einigermaßen gut versorgt sind – mit Lebensmitteln, dank der PAULs auch mit sauberem Wasser. Und dass wir alle unverletzt geblieben sind." 

Nepal

AKTUELL: Erneut starkes Erdbeben in Nepal

Es ist gerade mal 17 Tage her, dass die Erde in Nepal erbebte, heute geschah es ein weiteres Mal, und fast so stark wie am 25. April: eine Stärke von 7,2 auf der Richter-Skala (damals 7,8) zeigten die Seismographen. Das Zentrum des Bebens lag dieses Mal östlich von Kathmandu, und es war mit 10 km Tiefe weiter an der Oberfläche als das vor zwei Wochen (in 15 km Tiefe). 

Ein weiteres Mal haben die Häuser der Shanti-Station in Tilganga in Kathmandu dem Beben standgehalten. Die Patienten und Volontäre sind – soweit wir es bisher wissen - unverletzt. Von Budhanilkhanta haben wir noch keine Nachrichten. 

Die Hauptgefahr droht jetzt von einsturzgefährdeten Nachbarhäusern. Auch die Statik der meist im Ruck-Zuck-Verfahren hochgezogenen  Hochhäuser in Kathmandu ist unklar und stellt eine ständige Bedrohung dar.

Zum Glück sind gerade die Trauma-Spezialisten der Freunde der Erziehungskunst in Kathmandu eingetroffen, sie kümmern sich jetzt um die Kinder, die durch die beiden starken Erdstöße innerhalb so kurzer Zeit natürlich sehr verängstigt sind. 

Wir berichten weiter, sobald wir Näheres wissen.

 

Nepal

Lebensmittel verteilen, Patienten verarzten – trotz Nachbeben

Marianne Grosspietsch berichtet aus Kathmandu: Heute nacht gegen 3 Uhr Ortszeit gab es erneut heftige Nachbeben – jedes Zittern der Erde löst erneut Angst und Panik aus. Wir schlafen weiterhin voll angekleidet und mit Schuhen, um jederzeit wegrennen zu können. Es bleibt nervlich eine Zerreißprobe. 

Kartoffeln aus unserer ökologischen Landwirtschaft in Sundharijal! 

Die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen und die Verletzten behandeln – das sind im Moment die vordringlichsten Aufgaben. Gestern kam eine Ladung Kartoffeln aus unserem Bio-Landbau in Sundharijal, dazu etliche Säcke mit Zucchini. Daraus kochen wir jetzt Gemüsecurry für die Armenküche und können viele hungrige Mäuler stopfen. Diese ökologische Landwirtschaft erweist sich jetzt als Segen – wir müssen nicht alle Lebensmittel für teuer Geld einkaufen.

Die Volontärinnen befestigten die Plane auf unserem Dachgarten, wo gerade Tomaten gedeihen. Lothar Bracht, unser befreundeter Architekt, konnte ihnen die freudige Mitteilung machen, dass ihr Wohnhaus in gutem Zustand ist – sie können beruhigt darin schlafen. Ein Segen! 

Die Volontärinnen sortieren die neu angekommenen Nahrungspakete 

Wir stapeln die großen Kisten mit Trockennahrung und packen den Inhalt in handliche Tüten ab, die wir an die Bevölkerung verteilen (Foto oben). Unsere Shanti-Kinder helfen fleißig mit, die Tüten abzufüllen. 

Robin schleppt die Kartons mit Trockennahrung ins Innere der Klinik, wo wir sie portionieren und in kleine, handliche Tüten abfüllen. So bekommt jeder der Bedürftigen etwas ab. 

Vor allem die Dorfbewohner in der Umgebung von Kathmandu sind auf solche Verteil-Aktionen angewiesen. Von der Regierung haben die Menschen hier nicht viel zu erwarten – es ist ein Trauerspiel.

Am Nachmittag kam eine Gruppe gut gekleideter Damen der feineren nepalesischen Gesellschaft und brachte etliche Säcke Reisflocken und Linsen mit. Sie zeigten lebhaftes Interesse an unserer Arbeit und versprachen wiederzukommen. Eine von ihnen ist Gynäkologin und sagte zu, unsere Patientinnen zu untersuchen. 

Der idyllische Innenhof des Dwarikas Hotels – zum Glück blieben die Gebäude weitgehend heil. 

Auch das wunderbare Dwarikas Hotel unserer Freundinnen Sangita und Ambica Shrestha ist vom Erdbeben weitgehend verschont geblieben – dank der soliden, vorausschauenden Bauweise. Nur ein kleineres Gebäude muss statisch abgefangen werden. Ambica mit ihren 82 Jahren veranlasst kreidegrau vor Erschöpfung, aber mit bewundernswerter Unerschütterlichkeit Hilfssendungen mit Lebensmitteln in die verschütteten Dörfer. 

Heute kamen 20 Internatskinder aus Budhanilkhanta an – sie purzelten fröhlich aus dem Isuzu. Unser Schulbus ist zur Zeit in Reparatur, aber es sind kaum Mechaniker aufzutreiben – die meisten sind aufs Land gefahren, um sich dort um ihre notleidenden Verwandten in den Dörfern zu kümmern. Nun sind die Kinder in der Station sicher untergebracht und stecken alle an mit ihrer unbekümmerten Fröhlichkeit. Wir hatten große Sorge, dass sie aus Langeweile in den einsturzgefährdeten Ruinen spielen – mit unabsehbaren Folgen.

Rabina, unsere Lehrerin, hat erst einmal eine große Waschaktion angesetzt, und es war eine Wonne, wie die frisch gewaschenen Kleinen voller Stolz uns ihre mit wohlduftender Lotion eingeriebenen Gesichtchen entgegenstreckten! 

Unser belgischer Volontär Robin kümmert sich um den kontrollierten Abriss der zerstören Schulhäuser. Wir werden unsere Waldorfschule in ein anderes, neues Gebäude verlagern, das Lothar Bracht gerade in seiner Bausubstanz prüft. Dort werden wir künftig bis Klasse 10 unterrichten können – und den Kindern damit den frühen Wechsel in eine staatliche Schule ersparen (bisher konnten wir nur bis Klasse 5 unterrichten). 

Bisher sieht es so aus, dass die Substanz gut ist, lediglich die kleineren Pavillons sind eingefallen. Da werden wir aus der Not dann eben eine Tugend machen und mit den Kindern und den übrig gebliebenen Ziegeln eine Bau-Epoche veranstalten!

Unsere Schneider und die Volontäre nähen Kleidung für die Neuankömmlinge - sie sind ja komplett ihres Hab und Guts beraubt. Unsere Volontärin Eilif (Foto links) ist besonders geschickt im Nähen! Auf dem Foto links näht sie kleidsame Schlafanzüge.

Auch in der Not ist es wichtig, dass wir mit darauf achten, dass die Menschen nicht in Sack und Asche herumzulaufen. Das ist wichtig für Selbstachtung und Selbstwertgefühl – gerade jetzt! 

Schon gestern kamen die ersten zehn Patienten an und werden jetzt in der Klinik versorgt. Heute kommen weitere. Ihre Gesichter sind starr und schmerzerfüllt, eine Frau weinte verzweifelt über den Tod eines Angehörigen (Foto oben).

Die Frau auf dem Foto links litt große Schmerzen, weil eine einstürzende Mauer ihr das Schienbein und Wadenbein zertrümmert hat, als sie bei dem großen Beben nach draußen stürzte.

Shanti-Ärztin Dr. Shruti (ganz links im Bild) versorgt alle Patienten liebevoll und einfühlsam, und dank action medeor haben wir ausreichend Medikamente zur Verfügung. 

Unsere aufgrund von Kinderlähmung querschnittgelähmten Silberschmiede Kumar und Gorat (Foto oben) fertigten aus beim Erdbeben zerbrochenen Tassen wunderschönen Schmuck – Upcycling made by Shanti! 

Nepal

Nahrung, Krankenlager, Medizin für die Erdbebenopfer

Die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten in Nepal gehen weiter. Immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung. Die Zahl der Toten ist mittlerweile über über 7000 geklettert, Tausende sind verletzt, Zigtausende obdachlos. Die Shanti Leprahilfe tut alles, um die Not vor Ort zu lindern, so gut es geht. 

Aus einem vom Erdbeben zerstörten Krankenhaus konnten Klinikbetten gerettet und zu Shanti transportiert werden (Foto links).

Jetzt stehen 50 saubere Betten bereit (siehe Foto oben), um die von Dr. Anil Shrestha in seiner orthopädischen Klinik frisch operierten Patienten aufzunehmen. Er ist Shanti schon lange freundschaftlich verbunden und arbeitet zurzeit bis an den Rand der Erschöpfung, um all die Verletzten zu versorgen. 

Damit in der Klinik mehr Platz ist, wurden die Schlafstätten zum Teil in den Kindergarten verlegt (Foto links) – die Kleinen brauchen den Raum ja nur tagsüber und haben jetzt zusätzliche Kuschelecken! 

"Die Volontäre helfen mit unerschütterlicher Tatkraft, wo sie nur können: besonnen, überlegt, einsatzwillig, mutig, zupackend, zuverlässig und immer guten Mutes", schreibt Marianne Grosspietsch in ihrem gestrigen Bericht.

"Mit ihnen können wir konstruktiv überlegen, strategisch planen und dann agieren: schnell, Hand in Hand, effizient." 

Auf dem Foto links schleppt Paula einen Sack mit Reis zur Armenküche – und findet nebenbei noch Zeit, um mit einem der Kinder zu scherzen!  

Donata, eine unserer Volontärinnen, bringt einer Bettlerin das Stricken bei! 

Die am Wochenende eingetroffenen Lebensmittelvorräte (Reisflocken, Trockenkekse, Nudeln, Wasserdesinfektions-Tabletten, Foto oben) wurden in hunderte von kleinen Tüten abgefüllt und an die notleidende Bevölkerung in einem völlig zerstörten Dorf verteilt, etwa 25 km entfernt von Kathmandu. Es war besser, die Lebensmittel zu rationieren, um keine Schlägereien zu provozieren – die Menschen sind so verzweifelt und hungrig. Auf diese Weise hat jeder etwas abbekommen. 

Unermüdlich weben unsere Patienten Sitzkissen aus in Streifen geschnittenen Stoffresten und unterfüttern sie mit Autoschläuchen – Upcycling at its best! Und ein wunderbarer Schutz gegen Nässe und Kälte für alle, die auf unabsehbare Zeit unter Zeltplanen nächtigen müssen – und das sind Zigtausende. 

Inzwischen konnten die Häuser in Budhanilkhanta inspiziert werden. Das Ergebnis ist allerdings niederschmetternd: 

Die schönen Lehmbauten sind definitiv unbewohnbar geworden. Tiefe Rissen spalten Decken und Wände, die Mauern stehen teilweise fast einen halben Meter nach außen ab. 

Die Schule (oben eines der Klassenzimmer), das Internat und das Haus für die behinderten Kinder müssen abgetragen und neu aufgebaut werden. 

Das Ausmaß der Zerstörung in der Stadt kommt erst jetzt so langsam ans Licht. Am beunruhigendsten sind die breiten Risse in den Hochhäusern – vor kurzem begrub einer der meist in Billigbauweise erreichteten Wohntürme 50 Menschen unter seinen Trümmern. "Heiko fährt immer in Straßenmitte, wenn wir mit dem Auto durch die Stadt müssen, aus Sorge, dass rechts oder links gerade etwas zusammenbricht", berichtet Marianne Grosspietsch. 

Leider ist die Balkonmauer auf dem Dach der Station in Tilganga gebrochen, sodass wir die Brikett-Manufaktur sicherheitshalber vorläufig nach unten verlagert haben. Viele starke Männerarme wuchteten die schweren Gestelle eigenhändig nach unten.


Unverdrossen zerreißen unsere Patientinnen die leeren Kartons in kleine Stücke, um daraus Briketts für die Küchenöfen herzustellen. 

Unsere Armenküche bereitet weiterhin zweimal täglich mehrere hundert Mahlzeiten pro Tag für die Armen zu – traditionell vegetarisch und aus unserem eigenen Gemüseanbau in Sundharijal: Kartoffeln, Zwiebeln, Hülsenfrüchte, Knoblauch, Ingwer. Reis besorgen wir im Großhandel.

Dank der Spendengelder können wir Lebensmittel besorgen – dafür danken wir allen, die uns derzeit so großzügig unterstützen, von Herzen! Besonders beliebt bei Alt und Jung sind die von unserem Koch zubereiteten Zucchini-Puffer!