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In der WELT erschien am 14. April 2016 ein sehr lesenswerter Artikel von Tobias Kaiser über die aktuelle Situation in Nepal – ein Jahr nach dem großen Beben. 

Frisch gebloggt: Meine sechs Wochen bei Shanti

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”
(Albert Schweitzer)

Berichte, Interviews, Nachrichten aus der
Shanti Leprahilfe

Die Shanti Leprahilfe bietet Menschen in Nepal eine Zuflucht, um die sich dort niemand kümmert: Obdachlosen, Versehrten, Waisen, verstoßenen Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderung. Bei Shanti finden sie ein Dach über dem Kopf, Arbeit, Essen, Schule, medizinische Versorgung. Shanti gibt den Menschen ihre Würde zurück und einen Platz in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.shanti-leprahilfe.de

Volontariat

Menschen

Ein beliebtes Ziel für freiwillige Helfer/Innen aus aller Welt

Donata Nebel (rechts) und Annalisa Gebhardt haben sich als Volontärinnen vor allem um die behinderten Kinder gekümmert. 

Jedes Jahr kommen freiwillige HelferInnen aus aller Welt zu Shanti, um dort mehrere Wochen oder Monate lang die Arbeit zu unterstützen – in den Rehawerkstätten, in der Klinik, in der Schule oder bei der Betreuung der behinderten Kinder und Jugendlichen. Wie Donata Nebel und Anna-Lisa Gebhardt aus Hamburg. 

Donata (Foto links), 20 Jahre alt und ehemalige Schülerin der Rudolf-Steiner-Schule Hamburg-Bergstedt, hat 2014 Abi gemacht und sich dann „Project Peace“ angeschlossen, einer Organisation für ein Bildungs- und Entwicklungsjahr zu Frieden, Ökologie und nachhaltigem Lebenswandel. Unter dem Motto „Mein JA!hr für die Welt“ engagieren sich junge Erwachsene in verschiedenen Projekten in aller Welt. Dazu gehört auch, ein halbes Jahr „UnterwegsZeit“ in einer Zukunftsinitiative irgendwo auf der Welt zu verbringen. „Mein Eurythmielehrer hat mich auf Shanti aufmerksam gemacht“, berichtet Donata. „Ich habe mich dann auf der Homepage näher mit Shanti befasst und war sofort begeistert. Shanti entspricht dem, was Project Peace sich als Aufgabe gestellt hat: Wie finde ich Frieden in mir und wie finde ich Frieden auf der Welt?“ Bis Mai 2015 wird Donata noch bei Shanti bleiben.


Anna-Lisa (Foto rechts) hat schon 2010 auf dem Gymnasium Heidberg in Hamburg-Langenhorn Abitur gemacht und war danach zwei Jahre in Südafrika. Seit 2012 studiert sie in Regensburg musik- und bewegungsorientierte soziale Arbeit und absolviert bei Shanti ihr sechsmonatiges Praktikum im sozialen Bereich. Die Auslandskoordinatorin der Uni hat sie auf die Station in Nepal aufmerksam gemacht. Für Anna-Lisa heißt es schon im März wieder Abschied nehmen von Nepal, und sie mag gar nicht daran denken. Die behinderten Kinder, mit denen sie ebenso wie Donata vor allem arbeitet, sind ihr ans Herz gewachsen. „Wir waschen und füttern sie, wir singen mit ihnen, bewegen sie und versuchen sie zu fördern und zu stimulieren“, erzählt sie. „Eine gezielte Förderung wie hier in Deutschland gibt es in Nepal nicht – hier ist es für diese Kinder schon ein großes Glück, dass es überhaupt eine Einrichtung wie Shanti gibt, sonst würden sie schon als Säuglinge oder Kleinkinder verhungern oder an Krankheiten sterben. Es gibt hier ja keine Akzeptanz für Menschen mit Behinderungen, und es gibt auch kein Verständnis dafür, dass man mit ihnen zusammen ist, sie versorgt und unterstützt. Das war für uns anfangs schon ein ziemlicher Schock.“ 

Für beide war es auch ungewohnt, so selbstständig zu arbeiten, wie es die Volontäre bei Shanti tun. „Wir sind hier weitgehend auf uns selbst gestellt, es gibt keine Anleitung für das, was wir tun – aber gerade das ist letztlich die große Chance! Wir suchen uns die Aufgaben selbst, wir haben sehr viel Freiraum – das ist nicht einfach, wenn man gewohnt ist, dass man macht, was einem gesagt oder gezeigt wird! Es kann Menschen auch überfordern. Ich finde es allerdings großartig – mein Praktikum bei Shanti zu verbringen, war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe! Ich liebäugele schon damit, im Sommer für zwei Monate zurückzukommen ...“

Auch Donata sagt: „In den ersten zwei Wochen war ich heillos überfordert mit dieser Freiheit. Niemand hat mich kontrolliert, es gab keine Struktur, in die ich mich einfügen musste. Aber ich habe schnell meine Aufgabe und meinen Platz gefunden. Shanti hat mich in meiner Eigenverantwortung gefordert. Ich kann mich überall einbringen, wo ich es möchte und wo es mir Freude macht. Ich werde vermutlich in den nächsten Jahren nie wieder so frei sein wie hier!“

Annalisa mit Bobby, einem Mädchen, das vor vielen Jahren von Verwandten bei Shanti abgegeben wurde, weil sie körperbehindert ist – sie kann nicht laufen und sich nicht zum Stehen aufrichten, hat aber eine wunderbare Stimme. 

Mit dem Mangel leben, das Beste draus machen und ständig improvisieren – das ist Alltag in Nepal. „Manchmal habe ich das Gefühl, als löschen wir zwar das Feuer, aber die Glut bleibt“, sagt Donata. „Wir haben zum Beispiel oft keine Gummihandschuhe und keine Seife. Dann gibt es beides plötzlich im Überfluss, bis wieder wochenlang Ebbe ist. Aber so ist Nepal. Unberechenbar. Das meiste geht nach dem Motto: ‚Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen.’ Für uns Europäer ist das schwierig. Aber wir können den Menschen hier ja nicht unsere Denkweise und Kultur aufzwingen. Und das Erstaunliche ist: Es funktioniert dann doch. Irgendwie.“

Beeindruckt sind beide Frauen auch vom Zusammenhalt der großen „Shanti-Familie“, die hier lebt und arbeitet. „Es ist eine sehr familiäre Atmosphäre, man spürt, wie sehr Marianne Grosspietsch die Menschen hier am Herzen liegen – wir beide bewundere sie sehr für das, was sie hier aufgebaut hat“, sagt Anna-Lisa. „Wir sind hier unglaublich herzlich aufgenommen worden. Es gibt vieles, woran es hapert, aber der Grundgedanke ist phantastisch, und gerade Kindergarten und Schule laufen richtig gut. Da greift alles ineinander. Es ist schon ein großer Segen, dass es die Shanti Leprahilfe gibt!“

Wer sich für ein Volontariat interessiert, wendet sich an

Shanti Leprahilfe Dortmund e.V.
Viktoriastraße 18
44135 Dortmund
Telefon 0231-571 567
Mail info(att)shanti-leprahilfe.de 

Fotos: (c) Carlos Pérez Osorio